Als ich heute Morgen mal wieder im Römerbrief las, stolperte ich mal wieder über Römer 5,1: Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.
An sich ist die Aussage dieses Verses uns allen bekannt: Der Mensch kommt wieder mit Gott klar, weil der Sohn Gottes an Ostern durch seinen Tod am Kreuz dafür gesorgt hat.
Oder um die Volxbibel zu zitieren: Wenn wir keine Schulden mehr bei Gott haben, weil wir unser Vertrauen auf ihn setzen, ist der Weg jetzt ja frei! Wem haben wir das zu verdanken? Jesus!
Eigentlich klar, ne? Oder vielleicht doch nicht?
Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe für mich persönlich den Eindruck, dass uns das vielleicht doch nicht so klar ist!?
Mein Eindruck ist, dass in vielen (christlichen) Büchern unserer Zeit viel zu sehr der Mensch im Mittelpunkt steht und dabei das Evangelium von Jesus aus unserem Blickfeld gerückt wird.
Auch bei unseren Predigten scheint das so zu sein.
Wie gesagt, das ist nur mein Eindruck, und ich stelle mir dabei auch die Frage, ob nur ich persönlich meinen Focus zu sehr auf mich gerichtet habe und dabei das Evangelium Jesu überhöre.
Ich sehe nur in meinem Leben, aber auch bei anderen Menschen, dass, wenn wir es ernst mit Jesus meinen, wir uns teilweise sehr viele Sorgen über unsere eigene Lebensführung machen.
Wir könnten verzweifeln, wenn auf unser Leben schauen und das ganze Versagen darin entdecken.
Wo ist die Liebe für meine Mitmenschen, von der Jesus spricht? Wieso bin ich Gott schon wieder ungehorsam gewesen, obwohl ich ihm 5 Minuten vorher im Gebet noch mit ehrlichen Absichten versprochen habe „dein Wille geschehe“?
Und ich glaube, dass Problem liegt eben darin, dass der moderne Mensch den Blick weg vom Evangelium auf sich selbst gerichtet hat.
Ob uns das nun durch Predigten oder Bücher vermittelt wird ist letztlich egal, denn es bleibt immer noch meine Verantwortung, die Wahrheiten Gottes zu erkennen.
Gott hat uns seine Wahrheiten durch die Bibel für alle Zeiten offenbart, und wir haben hier in Deutschland immer noch die Freiheit, jederzeit darin zu lesen.
Wenn wir weiter in den Römerbrief schauen, dann lesen wir in Römer 6,6: Das gilt es also zu begreifen: Der alte Mensch, der wir früher waren, ist mit Christus am Kreuz gestorben. Unser von der Sünde beherrschtes Ich ist damit tot und wir müssen nicht länger Sklaven der Sünde sein.
Ganz am Anfang steht dort: Das gilt es also zu begreifen.
Luther übersetzt: Wir wissen ja.
Und was wissen wir? Das unser alter Mensch mit Jesus gekreuzigt wurde.
Ich finde es krass, dass dort steht, dass wir wissen, dass unser alter Mensch, also unser altes Ich, mit seinen ganzen schlechten Verhaltensweisen, Gedanken und Wünschen, mit Jesus gekreuzigt wurde.
Wissen heißt nicht, dass ich etwas vermute oder hoffe, oder mir versuche einzureden.
Wissen heißt ich weiß es, ich bin überzeugt davon, es ist fest in meinem Herzen eingebrannt.
Ich habe mich gefragt, woher soll dieses Wissen kommen?
Watchman Nee schreibt in seinem Buch „Das normale Christenleben“, dass dieses Wissen nur durch göttliche Offenbarung kommen kann und dass wir Gott ausdauernd darum bitten sollen.
Prüft es für euch selbst.
Was ist die Folge von diesem Wissen bzw. wie soll ich mit diesem Wissen umgehen, auch gerade wenn mich die Sünde dazu verführen will, Dinge zu tun, die ich später wieder bereuen werde?
Eine Antwort darauf finden wir 5 Verse später in Römer 6,11:
So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.
Die Gute Nachricht übersetzt den Anfang vielleicht etwas verständlicher:
Genauso müsst ihr von euch selbst denken:
Wenn wir wissen, dass unser alter Mensch mit Jesus gekreuzigt wurde, dann sollen wir auch so von uns denken: Wir sind tot für die Sünde.
Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.(Galater 2,20)
Da steckt soviel drin, in diesen Versen und ich selbst habe es auch noch nicht ganz begriffen. Aber es hilft mir, wenn ich meine Gedanken in Worte fassen kann.
Ich denke wir müssen lernen, nicht zu sehr auf unser eigenes Leben und das ganze Versagen darin zu schauen.
Wenn wir auf uns selbst schauen, dann sehen wir dort nur unser altes, von der Sünde befallenes, Ich.
Und wir können uns selbst noch so anstrengen und noch so viele Bücher zur Verbesserung unserer Verhaltensweisen oder allgemein unseres Lebens lesen, wir werden immer wieder an uns selbst scheitern!
Die Wahrheit der Bibel dagegen ist, dass unser altes Ich mit Jesus zusammen gestorben ist!
Das gilt es zu erkennen, und dieses Wissen kann nur Jesus allein uns schenken.
Wir müssen lernen, auf Jesus zu schauen.
Auf Jesus zu schauen heißt genau das, was in Römer 6, 5 u. 11 steht:
Führt euch immer wieder vor Augen, dass ihr tot seid für die Anziehungskraft der Sünde und ihre Lockrufe.
Das Blut Jesu hat ein für alle mal alle Forderungen bezahlt, die die Sünde noch an uns stellt.
Vielleicht ist es auch das, was Jesus damit meint wenn er sagt: Bleibt in mir und ich in euch. (Johannes 15,4)
In Jesus bleiben heißt, sich das Evangelium Jesu immer wieder vor Augen zu führen.
Denken wir daran, wenn wir Römer 5,1 lesen?
Das nur der Glauben an Jesu Tat am Kreuz uns wieder klar kommen lässt mit Gott?
Der Glaube daran, dass unser altes Ich vor über 2000 Jahren mit am Kreuz starb und damit gleichzeitig für die Sünde starb?
Das Jesus nach 3 Tagen aber auch wieder auferstanden ist und uns es uns somit ermöglicht hat, ein neues Leben in ihm zu führen?
Ich glaube es gibt noch soviel zu erforschen, was dieses neue Leben in Jesus wirklich bedeutet.
Für heute möchte ich lernen, mehr auf das Evangelium Jesu zu schauen und weniger auf mich selbst.
Jesus hat mich ihn ihm von der Anziehungskraft der Sünde schon befreit.
Mein altes Ich wird es niemals schaffen, sich davon zu befreien. Das ist unmöglich!
Nur wenn ich mich selbst, mein altes Ich, für tot halte und mein neues Ich in Jesu Tod und Auferstehung erkenne, erlebe ich die Befreiung von der Sünde.
Lasst uns darum beten, dass wir dies erkennen, erfahren und leben.
Mehr und mehr davon zu frei zu werden, dass ist etwas, was Gottes Geist in mir bewirkt und was seine Aufgabe dabei ist.
Meine Aufgabe ist, nahe an ihm zu bleiben und auf sein Evangelium zu schauen.
Ich möchte zum Schluss noch einige Gedanken von Oswald Chambers aus seinem Andachtsbuch „Mein Äußerstes für sein Höchstes“ zitieren:
„Unsere Aufgabe ist nicht in erster Linie vollkommene Menschen zu sein, sondern das Evangelium Gottes bekannt zu machen.
Das Allerwichtigste ist, dass man erkennt, dass das, was Gott getan hat, die bleibende Wirklichkeit ist.
Die Wirklichkeit ist nicht menschliche Güte oder Vollkommenheit, Himme oder Hölle – die Wirklichkeit ist, dass Jesus uns frei gemacht hat.[…]
Eine untadelige Lebensführung kann uns nicht retten; sie kann nur Zeichen sein, dass Christus uns gerettet hat. Wenn wir an unsere gute Wesensart glauben, werden wir untergehen, sobald es ums Ganze geht.[…]
Paulus nahm sich selbst nicht allzu wichtig. Und solange wir uns auf unsere eigene untadelige Lebensführung konzentrieren, sind wir weit davon entfernt, wirklich zu erleben, dass wir freigekauft sind. Christliche Mitarbeiter versagen, wen sie ihren Wunsch nach persönlicher Vollkommenheit ernster nehmen als den Wunsch, Gott kennen zu lernen.
„Verlange nicht, dass ich mich mit der realen Kraft der Erlösung gegen den menschlichen Schmutz um mich her befasse; mich interessiert, was Gott tun kann, um mich vor mir selbst attraktiver zu machen.“
Solche Reden sind ein Zeichen, dass ich von dem, was Gott wirklich tut, nichts verstanden habe.[…]
Gott kann mich nicht frei machen, wenn ich mich nur für mich selbst interessiere.[…]
Das waren nun sehr viele Gedanken und vielleicht ist der Kern dieses Textes auch gar nicht mehr ersichtlich.
Aber ich würde mich freuen, wenn ich trotzdem einige Leser zum Nachdenken anregen konnte und ihr mir auch eure Gedanken als Kommentar hinterlassen würdet.